Warnung und Tarnung, Drohung und Paarung

Erstmals: 2. März 2013  -  Erneut: 17. November 2017

Foto eines blaugeringelten Kraken
Nicht nur dolle Saugnäpfe sondern auch schicke Kringel

Tintenfische ändern Ihre Farben virtuos. Gerade noch bleich wie ein Gespenst und Momente später kräftig rot. Vorhin noch unscheinbar, auf einmal mit leuchtenden blauen Ringen. Jetzt uni, gleich gestreift. Wozu das Ganze? Das ist von Art zu Art und von Situation zu Situation verschieden.

Tarnung

Die gewöhnliche Krake (Octopus vulgaris) im Video sieht dem bewachsenen Felsen, auf dem sie sitzt, verdammt ähnlich. Als sie das Gefühl hat, die Tarnung sei aufgeflogen, färbt sie sich verpiss-Dich-farben und haut ab. Um den Taucher zusätzlich zu verwirren stößt sie eine Tintenwolke aus.

© Roger Hanlon erschreckt einen Kraken

Roger Hanlon, ein bekannter Tintenfischforscher, stellt hier viele Informationen und einiges an Material zur Verfügung. Unbedingt zu empfehlen.

Warnung

Andere Tintenfische meinen es nur gut mit ihrer Umgebung. Kommt ihnen etwas zu nahe verfärben sie sich auffällig und sagen damit „Hau ab oder es wird Dir leid tun!“. Und das ist kein Bluff.

Blauringkraken lähmen ihre Beute mit einem Nervengift. Fühlt sich das Tier bedroht, warnt es mit metallisch schimmernden blauen Ringen. Dann sollte man tunlichst Abstand halten. Obwohl die Tiere selten größer als eine Hand werden, ist ihr Schnabel kräftig genug, einen Taucher zu beißen obwohl er einen dicken Neoprenanzug anhat. Schnabel? Ja, Schnabel, doch dazu ein andermal.

Foto eines blaugeringelten Kraken
Die warnenden Ringe sind kaum zu übersehen

Der Biss der Blauringkrake ist so giftig, dass er einen erwachsenen Menschen töten kann. Das Nervengift Tetrodotoxin lähmt und führt zu einem tödlichen Atemstillstand, wenn das Opfer nicht schnell genug beatmet wird.

Die Prachtsepie wird nicht gerne gegessen. Darum warnt sie gierige Räuber mit buntem Farbenspiel. Wer sich davon nicht beeindrucken lässt, ist selber schuld. Das Fleisch derPrachtsepie schmeckt nicht nur komisch, es ist auch giftig. OK, das mit dem komisch schmecken habe ich mir nur ausgedacht, ausprobiert habe ich es nicht. Aber wann bekomme ich schon mal eines der erstaunlichen Tiere in die Finger – wie die Blauringkrake lebt sie am anderen Ende der Welt.

Ein bißchen wie ins Lagerfeuer starren.

Wer schon mal eine gesehen hat, kann sich gut vorstellen, warum sie auch Flammende Sepia genannt wird. Die kleinen Tiere zeigen bewegliche Farbmuster, die mit ein bisschen gutem Willen an ein loderndes Lagerfeuer erinnern. Übrigens schwimmen die 8 cm kleinen Sepien nicht, sie kriechen über den Meeresboden.

Paarung

Manche Riesensepien stellen Geschlechteridentitäten in Frage. Jedes Jahr treffen sich abertausende Riesensepien zur Paarung. Dabei bewachen große Männchen die kleinen Weibchen, damit sich ihnen kein Konkurrent nähert. Männchen die sich für stark genug halten, nehmen den Kampf mit dem Bewacher auf. Pfiffigere kleine Männchen verzichten auf das Zebramuster, das Geschlechtsgenossen abschrecken soll und zeigen das gleiche tupfige Muster wie die Weibchen. Sie ziehen ihre verräterische Befruchtungstentakel ein, warten auf einen günstigen Moment, nähern sich dem Weibchen und versuchen es zu begatten. Riskant, doch anscheinend klappt es manchmal.

Drohung

„Lass Deine Tentakeln von dem Weibchen“ ist eine beliebte Drohung. Der Kalmar Loglio plei macht das mit einem Zebramuster. Da er zwar andere Männchen einschüchtern, nicht aber das Weibchen verscheuchen will, zeigt er eine zwiespältige Färbung. Wie man im Video sieht, ist es nicht immer einfach, dabei die Übersicht zu behalten.

© Roger Hanlon

Viele Tintenfischarten färben sich plötzlich sehr hell um vermeintliche Raubtiere zu erschrecken. Dabei spannen Kraken ihren Körper wie einen Regenschirm auf, um größer zu erscheinen (siehe erstes Video). Manche zeigen zwei große dunkle Flecken, die ein riesiges Tier vortäuschen, wenn man sie mit Augen verwechselt, die einen bedrohlich anstarren. Viel steckt nicht hinter solchen Drohungen. Bis auf ihre Schnäbel haben die meisten Tintenfischarten kaum bedrohliche Waffen. Die Saugnäpfe sind zwar enorm stark, aber was hilft es schon, den Gegner ganz doll fest zu halten – vor allem wenn der einen fressen will. Und ziemlich viele Tiere - inklusive Menschen - fressen gerne Tintenfische. Sie sind nahrhaft, recht wehrlos, haben keine harte Schale, keine Gräten, nicht mal störende Knochen.

Die meisten Tintenfische haben Verteidigungsstrategien dringend nötig. Ihr virtuoses Farbenspiel rettet so manchem von ihnen das Leben.

Auf die Erklärung, wie die Tintenfische das mit dem Verfärben hinkriegen, müsst Ihr noch ein bisschen warten. Ich fand es gerade spannender, diesen Artikel zu schreiben. Außerdem muss ich noch ein bisschen an dem Schaubild basteln, das ich in mühsamer Anfängermanier zusammenstückle.

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