Superfood Kaninchenkot

Scheiße fressen - für die Gesundheit

Erstmals: 14. Februar 2013  -  Erneut: 17. November 2017

Foto eines Wildkaninchens
Ein niedliches Wildkaninchen

Da sitzt es also in seinem Gehege, das niedliche kleine Kaninchen. Ach guck mal, wie das schnüffelt mit seinem kleinen Näschen. Ui schau, jetzt putzt es sich, wie süüüß. Ach je, warum putzt sich das denn immer wieder den Hintern? Und dann macht es eine Pause und schon wieder ist die Rosette dran. Das sieht ja fast aus als ob...

Ja genau. Und es sieht nicht nur so aus, als ob das Kaninchen sich in den Mund kackt. Es frisst den sogenannten Blinddarmkot direkt vom Anus, damit er nochmal verdaut werden kann. Aber keine Sorge, das ist ganz normal und sogar notwendig. Es gibt sogar einen Fachausdruck dafür: Caecotrophie von 'Caecum' - Blinddarm und 'Trophie' - Ernährung.

Cellulose macht nicht satt

Viele Pflanzenfresser haben das gleiche Problem: Gras und Blätter sind zwar im Überfluß vorhanden aber sie sind wenig nahrhaft. Einer der Hauptbestandteile ist die energiereiche Cellulose. Die können Säugetiermägen aber nicht verdauen. Das ist ein bisschen so, als würden wir versuchen uns von Papier zu ernähren. Das macht zwar den Magen voll, liefert aber keine Kalorien.

Schema des Verdauungssystems von Kaninchen
So ähnlich sieht das Verdauungssystems eines Kaninchens aus

Mikroorganismus – ihr Freund und Helfer

Darum sichern sich viele Tiere die Hilfe von Mikroorganismen, für die Cellulose leicht zu knacken ist. Kaninchen haben ganze Bakterienkolonien in ihrem Blinddarm. Dort machen sich die kleinen Helfer an die Arbeit und zerlegen die Cellulose und andere Stoffe im Nahrungsbrei in ihre Einzelteile und scheiden wertvolle Nährstoffe und Vitamine aus. Doch jetzt steht das Verdauungssystem der Kaninchen vor einem Problem: bevor die Nahrung im Blinddarm gelandet ist, hat sie den Dünndarm bereits durchlaufen. Dabei werden die Nährstoffe doch vor allem im Dünndarm ins Blut aufgenommen. Und der Nahrungsbrei kann nicht mehr dorthin zurück. Er wird zu Klumpen geformt, wandert noch durch den Dickdarm und wird dann ausgeschieden.

Verdauung reloaded

Doch das Kaninchen weiß sich zu helfen: der ausgeschiedene Kot wird einfach gefressen und nochmal durch das Verdauungssystem geschleust. Allerdings ist das ganz besonderer Kot, der auch anders aussieht, als die Köttel die man so kennt. Der sogenannte Blinddarmkot ist weicher und feuchter. Er ist voller Bakterien, die immer noch damit beschäftigt sind, die Cellulose zu zersetzen. Dazu haben sie auch noch etwas Zeit, weil der Blinddarmkot noch eine Weile im Magen bleibt, bevor er in den Dünndarm wandert. In der Verdauung reloaded werden nun die neuen Nährstoffe aufgenommen, die die Bakterien so großzügig zur Verfügung stellen und auch die Bakterien selbst werden verdaut.

Foto von verschiedenen Sorten Kanichenkot
Links: Blinddarmkot - Rechts: endgültige Köttel
Bildquelle: unbekannt

Kot ist wichtig

Anscheinend können Kaninchen nicht auf den Blinddarmkot und auf die Vitamine und Nährstoffe verzichten. Egal wie viel man die Tiere füttert, ihren Blinddarmkot fressen sie immer. Anders sieht das mit den normalen Kötteln aus. Die werden manchmal auch gefressen, aber meist nur, wenn die Tiere wenig frische Nahrung haben.

Nicht nur Kaninchen fressen Scheiße

Hauskaninchen sind nicht die einzigen Tiere, die ihren Kot fressen. Das machen alle Hasenartigen und viele Nagetiere. Von Ratten weiß man, dass sie an Vitaminmangel leiden und nicht so gut wachsen, wenn man ihnen den Blinddarmkot vorenthält. Auch Wiederkäuer lassen sich bei der Verdauung unterstützen. Allerdings helfen die Bakterien hier schon, bevor der Nahrungsbrei im Darm landet. Dadurch bleibt ihnen das Scheiße fressen erspart.

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